Mikrovakzination

Aus: Naturheilkunde Journal, Heft 08/2018, August 2018
von Dr. med. Britta Knoll

Studie zeigt Wirksamkeit bei rezidivierenden Atemwegsinfekten und Heuschnupfen

Dr. med. Britta Knoll

Mithilfe der Mikrovakzination als spezielle Anwendung des Prinzips der Mesotherapie lassen sich bei geringem zeitlichen und finanziellen Aufwand hervorragende Schutzwirkungen gegen die häufigsten viralen sowie bakteriellen Erkältungskrankheiten aufbauen und die lästigen Symptome der allergischen Rhinitis verhindern.

Die Mikrovakzination ist ein Begriff aus der Mesotherapie, jenem minimalinvasiven Verfahren, bei dem geringste Mengen an Wirkstoffen nur in die Haut direkt am Ort des Geschehens injiziert werden.

Die Vorzüge dieses Vorgehens: Mit kleinsten Wirkstoffmengen lassen sich lang anhaltende Erfolge erzielen. Systemische Nebenwirkungen bleiben aus, da die Wirkstoffe nicht in den Blut- und den enterohepatischen Kreislauf gelangen. Zudem sind die Behandlungen meist so wirksam, dass sie nur selten erfolgen müssen, d.h. sie erfüllen die Forderung nach einer schnellen und lang anhaltenden Therapie mit einem Minimum an Aufwand und Kosten. Verabreicht werden je nach Indikation und Patient verdünnte Allopathika, Homöopathika, Phytopharmaka, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente, die mithilfe sehr dünner und kurzer Kanülen injiziert werden. Ein Lokalanästhetikum dient meist als Trägerlösung. Anwendung findet die Mesotherapie im kurativen Bereich, in der ästhetischen Medizin und im Anti-Aging.

Nachdem Prinzip der Mesotherapie funktioniert auch die Mikrovakzination, deren Ziel es ist, die Immunabwehr über stark verdünnte Vakzine, die intrakutan an spezifische Akupunktur- und Reaktionspunkte injiziert werden, zu aktivieren.

Die Mikrovakzination wird eingesetzt zur Vorbeugung von Atemwegsinfekten, bei der Behandlung chronischer Nasennebenhöhlenentzündungen, Pollenallergien, Heuschnupfen, aber auch gegen Herpes simplex, rezidivierende Harnwegs- und gynäkologische Infekte, Urtikaria und andere Hautkrankheiten. Begleitend kann sie zudem bei Asthma, COPD und Mukoviszidose angewendet werden.

Von der klassischen Schutzimpfung unterscheidet sich die Mikrovakzination deutlich:

  • Mit der Mikrovakzination wird vorwiegend die angeborene unspezifische Immunabwehr beeinflusst. Die Immunmodulation zielt also sowohl auf eine Normalisierung überschießender als auch unzureichender Abwehrleistungen. 
  • Die Anwendung erfolgt per Mikroinjektionen durch Setzen kleinster Quaddeln nur in die Haut und nicht intramuskulär oder oral. Dadurch werden ein Risiko bzw. Nebenwirkungen quasi ausgeschlossen. 
  • Verwendet werden deutlich geringere Mengen an Vakzinen, konkret lediglich 1/20-stel der bei einer Impfung üblichen Dosis.

Als Vakzine dient der verschreibungspflichtige Impfstoff StroVac®, eine Injektionssuspension mit inaktivierten bakteriellen Erregern, die üblicherweise zur Behandlung rezidivierender Harnwegsinfekte eingesetzt wird.

Kontraindiziert ist die Mikrovakzination bei Kindern unter zwei Jahren, schwerem Allergierisiko, schwerer Immunproblematik, hochfieberhaften Prozessen, Sepsis, Wundrose, chirurgischen Indikationen (z. B. Polypen, Septumdeviation, Zahnherde) und Spritzenangst. Schwangerschaft und schwere Systemerkrankungen gelten als relative Kontraindikationen.

Anwendung
Für die Off-Label-Anwendung als Mikrovakzination wird StroVac® in einem Verhältnis von 1:20 mit einem Impfstoffverdünner gemischt und in Tuberkulinspritzen (1 ml) aufgezogen. Die Impfung erfolgt über äußert feine Kanülen (0,26 x 4 mm), dabei werden die Injektionen als intrakutane Quaddeln mit jeweils weniger als 0,1 ml Wirkstoffmischung (= ca. 1 Tropfen) gesetzt. Über diese kleinen epidermalen Depots bleibt das verdünnte Vakzin länger in Kontakt mit den dermalen Immunzellen und kann so die gewünschte Immunreaktion auslösen. Geimpft wird seitlich der Nase über den Kieferhöhlen und an beiden Unterkieferwinkeln am Lymphatischen Rachenring. Bei einer rezidivieren-den Bronchitis werden zusätzlich mehrere Quaddeln paravertebral und parasternal gesetzt.

Die Mikrovakzination greift als präventive Maßnahme nach zwei bis drei Monaten, bewirkt aber bereits innerhalb weniger Wochen eine lokale Stimulation des Immunsystems über die Schleimhaut der oberen Luftwege sowie über die Lymphorgane des Waldeyer-Rachenringes. So wird eine immunologische Barriere schon an der Eintrittstelle (Nase, Rachen) für Bakterien, Viren und Allergene geschaffen.

Somit wirkt die Mikrovakzination zweifach: sie aktiviert vorbeugend über Haut, Schleimhaut und Lymphsystem die angeborene Immunabwehr und bei Vorliegen einer chronischen Infektion im Zielbereich kurativ zusätzlich die adaptive Immunabwehr.

Die Mikrovakzination sollte präventiv etwa sechs bis acht Wochen vor dem allergieauslösenden Pollenflug bzw. der winterlichen Grippesaison erfolgen. Bei der Erstbehandlung sind zwei Sitzungen im Abstand von vier Wochen nötig. Für eine langfristige Wirkung sind einzelne Auffrischungsbehandlungen alle sechs Monate nötig.

Eine retrospektive Studie ist nun der Frage nachgegangen, ob die stark verdünnte Off-Label-Anwendung von StroVac® nachweislich wirksam und verträglich bei der Behandlung rezidivierender Atemwegserkrankungen und allergischer Rhinitis ist. Dazu wurden die Daten von 92 Patienten einer Praxis ausgewertet, die wegen rezidivierender Atemwegsinfekte und/oder Heuschnupfen StroVac® als Mikrovakzination erhalten hatten.

Studie aus der Praxis
Die Studie wurde retrospektiv durchgeführt und enthält Anwendungsbeobachtungen unter Praxisbedingungen [1]. Ziel der Studie war es, Antworten auf folgende Fragen zu finden:

  • Nehmen Häufigkeit und Intensität rezidivierender Atemwegsinfekte durch Mikrovakzination ab? 
  • Lassen sich Heuschnupfensymptome mindern oder sind Patienten nach der Prophylaxe beschwerdefrei? 
  • Zeigen Patienten mit rezidivierenden Luftwegsinfekten und gleichzeitigem Heuschnupfen eine Verbesserung beider Erkrankungen oder nur einer? 
  • Können Patienten, die mit Antibiotika oder Cortison behandelt wurden, nach der Mikrovakzination auf diese verzichten? 
  • Ist die Wirksamkeit der Mikrovakzination alters- oder geschlechtsspezifisch? 
  • Gab es Nebenwirkungen oder Komplikationen? 

Um diese Fragen zu beantworten, wurden die anonymisierten Daten von 92 Patienten einer Münchener Praxis untersucht, die aufgrund ihrer Diagnose rezidivierender Infekte der oberen Luftwege (Sinusitis, Pharyngitis, Laryngitis, Rhinitis und Bronchitis) und/oder Heuschnupfen die Mikrovakzination mit StroVac® zwischen 2000 und 2017 erhalten hatten.

Das Patientenkollektiv bestand aus jeweils 46 männlichen und 46 weiblichen Teilnehmern und wurde in drei Gruppen unterteilt: Patienten nur mit rezidivierenden Infekten der oberen Luftwege (46), Patienten nur mit Heuschnupfen (23) und Patienten, die sowohl rezidivierende Infekte der oberen Luftwege als auch Heuschnupfen hatten (23).

Zudem wurden die Patienten in folgende Altersgruppen eingestuft: 2–6 Jahre, 7–14 Jahre, 15–60 Jahre und über 60 Jahre. Die größte Anzahl fand sich bei den 15 bis 60-Jährigen, d. h. in der beruflich aktiven Gruppe.

Die Behandlungsergebnisse wurden wie folgt unterschieden: keine Besserung, leichte Besserung, wesentliche Besserung, absolut beschwerdefrei.

Ergebnisse der Studie
Für die insgesamt 92 Patienten konnten nach abgeschlossener Mikrovakzination folgende Behandlungsergebnisse festgestellt werden:

  • keine Besserung bei 3 Patienten = ca. 3% 
  • leichte Besserung bei 7 Patienten= ca.8% 
  • wesentliche Besserung bei 25 Patienten = ca. 27% 
  • absolute Beschwerdefreiheit bei 57 Patienten = ca. 62 %. 

Die Fragen, denen die Studie nachgegangen ist, lassen sich anhand der Auswertungen der 92 Patientendaten wie folgt beantworten:

  • Häufigkeit und Intensität rezidivierender Atemwegsinfekte nehmen durch Mikrovakzination deutlich ab und zwar in ca. 85 % aller Fälle. 
  • Die Wirksamkeit der Mikrovakzination bei Heuschnupfen ist noch höher, hier kann eine wesentliche Besserung bzw. absolute Beschwerdefreiheit in ca. 96 % der Fälle festgestellt werden.
  • Auch bei den Patienten, die sowohl an rezidivierenden Luftwegsinfekten wie auch an Heuschnupfen litten, lässt sich eine wesentliche Verbesserung bzw. absolute Beschwerdefreiheit in ca. 91 % der Fälle verzeichnen. 
  • Da die Mikrovakzination in der Regel zu einer wesentlichen Verbesserung oder absoluten Beschwerdefreiheit beiträgt, konnte eine Antibiotika- oder Cortison-Behandlung deutlich reduziert, wenn nicht gar beendet werden. 
  • Die Wirksamkeit der Mikrovakzination ist bei Männern höher als bei Frauen (wesentliche Verbesserung bzw. absolute Beschwerdefreiheit 83 %: 96 %). 
  • Die Wirksamkeit zeigte sich in allen Altersstufen und liegt hinsichtlich einer wesentlichen Verbesserung bzw. absoluten Beschwerdefreiheit bei den über 60-Jährigen gar bei 100 %. 
  • Komplikationen oder Nebenwirkungen sind nicht aufgetreten. 

Fazit
Die hier vorgestellte retrospektive Studie belegt, dass die Mikrovakzination mit der stark verdünnten Vakzine Strovac® das Immunsystem wirksam moduliert. Sowohl rezidivierende Luftwegsinfekte als auch Heuschnupfen können damit geschlechts- und altersunabhängig sehr oft deutlich verringert und eine wesentliche Besserung oder Beschwerdefreiheit erreicht werden.

Quelle:
1] Stosius, A.: Retrospektive Studie über die Langzeitergebnisse einer Breitbandimmunisierung (Meso-Vakzination mit der unspezifischen Vakzine Strovac) zur Prophylaxe rezidivierender Luftwegs-Infekte undHeuschnupfen, Bacherlorarbeit an der Hochschule für Gesundheit, München 2017

 

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